Integrationsmanagement in Städten - Deutsch-Französische Bürgermeisterkonsultationen (Stuttgart, 15. und 16. März 2007)

Konsultationen deutscher und französischer Bürgermeister zum Thema „Kommunales Integrationsmanagement“ haben am 15. und 16. März 2007 rund 100 Akteure aus Deutschland, Frankreich und der Europäischen Union in Stuttgart im Haus der Wirtschaft zusammengeführt. Im Mittelpunkt standen Erfahrungsberichte aus den Städten Avignon, Essen, Hamburg, Lille, Marseille und Stuttgart. Bildung spielt bei gelungener Integration eine Schlüsselrolle, vor allem auch für Kinder im Vorschulalter. Getragen wurde die Veranstaltung von der Robert Bosch Stiftung und der Freudenberg Stiftung, inhaltlich ausgerichtet vom Deutsch-Französischen Institut (dfi).

Was überraschte, waren die Gemeinsamkeiten im Alltag der Kommunen - trotz zahlreicher Unterschiede im Staatsaufbau und im staatsbürgerlichen Verständnis beider Staaten. Eine Erklärung könnte sein, „dass es nicht mehr um wenige Gastarbeiter geht“, wie noch vor 22 Jahren (als die Freudenberg-Stiftung das Thema Integration gewählt hatte), sondern „dass heutzutage ein großer Teil der Bevölkerung davon betroffen ist“, wie Reinhart Freudenberg, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung ausführte. Integrationspolitik ist für die Kommunen unumgängliche gesellschaftliche Aufgabe geworden. Die Zahlen stellte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Maria Böhmer vor: „In den deutschen Großstädten wird im Jahr 2010 jeder Zweite unter 40 Jahren aus einer Zuwandererfamilie stammen. Schon jetzt leben in Deutschland rund 15 Millionen Menschen mit Migrations-Hintergrund. Das ist nahezu jeder Fünfte“. Für Frankreich gelten ähnliche Größenordnungen.

Differenzen und Unterschiede zwischen den Menschen „sind ein Reichtum, den wir begrüßen und gestalten können“, hatte Wassilios Fhtenakis von der Universität Bozen vorgetragen und der französische Staatsminister für Chancengleichheit Azouz Begag hätte dazu sagen können: „Kommt in meine Vorstädte, schaut was da für ein Potential ist“, wenn er nicht in letzter Minute verhindert gewesen wäre. „Mobilisierung, Brückenbauen zwischen Teilen der Wirklichkeit, Vernetzung und Querschnittsaufgeben“ sind für dfi-Direktor Frank Baasner in der heutigen Debatte Schlüsselwörter. Die Vorstellung von Integration durch sozialen Aufstieg reiche alleine nicht mehr aus. Dieter Berg, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch Stiftung will erreichen, „dass die Zivilgesellschaft dort Brücken baut, wo die Politik nicht oder noch nicht reagiert“. Zur Unterstützung des Vorhabens haben die Bosch Stiftung und die Freudenberg Stiftung gemeinsam mit acht weiteren Stiftungen in Europa ein Europäisches Programm für Migration und Integration ins Leben gerufen.

Druckversion