Deutsch-Französische Zusammenarbeit

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25 März
2010

"Europa muss eine Strategie für das Wachstum finden" - Gastbeitrag des französischen Botschafter im Handelsblatt

25.03.2010
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Bernard de Montferrand - Foto: © MAEE, F. de La Mure

In eine Beitrag des Handelsblatts vom 25.3.2010 plädierte Botschafter Bernard de Montferrand für eine Strategie für das Wachstum in Europa. Dabei konstatierte er die Schwäche Europas, sich „noch nicht die Werkzeuge verschafft zu haben, um diesen Wohlstand langfristig zu sichern“. So hätten wir zwar „ein gemeinsames Haus der Wirtschaft, in dem wir eine Eigentümergemeinschaft bilden", wobei die Eigentümer aber keine Möglichkeit hätten, "auf diejenigen einzuwirken, die eine Gefahr für die Stabilität dieses gemeinsamen Hauses sind.“

Europa muss eine Strategie für das Wachstum finden

Die Krise hat zumindest einen Vorteil für Europa; sie fördert kompromisslos die Stärken und die Schwächen der EU zutage. Durch die Krise sind wir aufgefordert, unsere Unzulänglichkeiten zu beheben. Die größten Stärken Europas sind ein gut austariertes Sozialsystem sowie eines der originellsten politischen Systeme weltweit, in dem die europäische Vielfalt auf bemerkenswerte Weise Achtung findet. Und nicht zuletzt ist es heute die Wirtschaftszone mit dem größten Wohlstand in der Welt und einer der solidesten Währungen. Das erklärt, warum Europa so attraktiv ist.

Europas Schwäche liegt darin, sich bisher noch nicht die Werkzeuge verschafft zu haben, um diesen Wohlstand langfristig zu sichern. Wir haben ein gemeinsames Haus der Wirtschaft, in dem wir eine Eigentümergemeinschaft bilden, wobei die Eigentümer keine Möglichkeit haben, auf diejenigen einzuwirken, die eine Gefahr für die Stabilität dieses gemeinsamen Hauses sind. In guten Zeiten die Existenz eines großen Marktes und einer gemeinsamen Währung zu sichern, ist möglich. In Krisenzeiten jedoch werden die Grenzen unseres Modells sichtbar. Wie lässt sich in Zukunft ein Fall wie Griechenland vermeiden? Wie lässt sich eine Wirtschaftsstrategie festlegen, die eine Rückkehr zu ausgeglichenen Haushalten ermöglicht?

Wir haben uns abgestimmt und Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur getroffen. Damit haben wir den Zusammenbruch unserer Volkswirtschaften verhindert, allerdings zum Preis einer höheren Verschuldung. Es war dennoch die richtige Entscheidung. Jetzt müssen wir den Weg aus der Krise herausfinden. Das wird uns nur gemeinsam gelingen. Wir sollten also Glaubensfragen und Theorien beiseitelassen und die eigentlichen Probleme pragmatisch angehen.

Eine Währungsunion wie die seit zehn Jahren so erfolgreiche Euro-Zone in ihrer Existenz zu sichern erfordert Kohärenz in den wirtschaftspolitischen Ansätzen ihrer Mitglieder. Die erste Stufe zur Kohärenz besteht darin, eine echte Debatte über die Festlegung einer gemeinsamen Wachstumsstrategie anzustoßen, die einer Verstärkung der Ungleichgewichte entgegenwirkt und für alle Beteiligten Vorteile bringt. Muss nicht Europa, um stabil zu sein, durch seine Investitionen und seinen Konsum für ein unabhängigeres Wachstum sorgen? Darf Europa sich nur auf die Außennachfrage verlassen und sich von deren Schwankungen abhängig machen? Dies zu fragen gefährdet keinesfalls die notwendige Wettbewerbsfähigkeit jedes einzelnen Mitglieds.

Die zweite Stufe ist das Bekenntnis zu gemeinsamen Prinzipien: Achtung der Unabhängigkeit der EZB, Einhaltung des Stabilitäts- und Wachstumspakts. Hier liegt ein grundlegender Vertrauensvertrag vor, der eingehalten werden muss. Und in einer dritten Stufe müssen entsprechende Mittel bestimmt werden, damit die notwendige Kohärenz auch durchgesetzt werden kann.

Jeder weiß heute, dass wir die Wirtschaftsführung in Europa verbessern müssen. Prüfen wir ganz genau, was wir im Rahmen der bestehenden Verträge machen können. Das ist schon ein erster beachtlicher Schritt, wie Premierminister Fillon in der Humboldt-Universität betonte. Müssen neue Befugnisse erteilt werden, damit die Richtigkeit und Transparenz der Wirtschaftsdaten von Einzelstaaten besser überprüft werden können? Und wer soll diese Befugnisse übernehmen - Eurogruppe, Ecofin-Rat, EZB, Eurostat? Wie geht man mit Politikbereichen um, die mit dem gemeinsamen Interesse nicht mehr vereinbar sind? Sind wir bereit, Mechanismen einzuführen, die eine Art verstärkte Disziplinargewalt auf die Haushaltspolitik der Einzelstaaten ausüben? Wie kann ihre demokratische Legitimität und ihre Akzeptanz in der Bevölkerung gewährleistet werden? Und wie soll man, in Einklang mit den Verträgen, solidarische Verfahren gegenüber Mitgliedern festlegen, die Hilfe brauchen?

Eine bessere europäische Wirtschaftsführung wird auch und in entscheidender Weise durch die Verbesserung unserer Wettbewerbsfähigkeit erzielt, die wiederum durch eine entschlossene Reformpolitik zu erreichen ist. Deutschland ist in diesem Bereich, wie Staatspräsident Sarkozy wiederholt gesagt hat, ein Vorbild. Wir müssen auf europäischer Ebene und in jedem Einzelstaat - entsprechend den Zielen der Lissabon-Strategie - Politikansätze verfolgen, die den Standort Europa im Sinne der neuen Wirtschaft und der neuen Arbeitsplätze stärken. Sonst gibt es kein Wachstum.

Unser gemeinsamer Horizont ist die globalisierte Welt, die der Markt für unsere Unternehmen und der Bezugsrahmen für die großen Währungen ist. Doch die Grundlage für unsere Wirtschaftsaktivitäten, auf der wir alle mehr als zwei Drittel unseres Außenhandels und den größten Teil des Sozialprodukts erwirtschaften, ist die Europäische Union. In dieser EU müssen wir unseren Beitrag zum weltweiten Wachstum leisten.

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8 April
2011

Bündnis der Problem-Stadtteile

8.4.2011

Tschüss, Tristesse

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Bei den Proben (c) Boris Bocheinski / OFAJ

Wie lassen sich Jugendarbeitslosigkeit, Kriminalität, Tristesse bekämpfen? Der Problembezirk Neukölln und der Pariser Vorort Clichy-Sous-Bois haben sich verbündet, jetzt spielen Schüler aus beiden Brennpunkten gemeinsam Theater - auch, um Schwarzseher wie Sarrazin und Sarkozy Lügen zu strafen.

8 April
2011

Auf Wiedersehen auf der HANNOVER MESSE im nächsten Jahr vom 23. bis 27. April 2012

8.3.2011

Mit der besten Bilanz seit zehn Jahren ist an diesem Freitag das weltweit wichtigste Technologie-Ereignis, die HANNOVER MESSE 2011, zu Ende gegangen. "Die Industrie hat in Hannover eine Extraportion Kraft getankt und den Konjunktur-Turbo zugeschaltet", sagte Dr. Wolfram von Fritsch, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG, am Freitag in Hannover. "Die Drehzahl des Konjunkturmotors der Industrie hat sich auf dieser HANNOVER MESSE noch weiter erhöht." Mehr als 6 500 Unternehmen aus 65 Ländern hatten sich in Hannover präsentiert.

4 April
2011

Premierminister Fillon bei Eröffnung der Hannover-Messe

4.3.2011
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Premierminister Fillon (c)Botschaft Frankreich

Premierminister François Fillon hat am 3. April zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die Hannover-Messe 2011 eröffnet. Frankreich ist in diesem Jahr Partnerland der weltgrößten Industriemesse, die am 8. April endet. In seiner Rede hob der Premierminister die Fähigkeit Europas hervor, auf Betreiben des « deutsch-französischen Motors » gemeinsam zu handeln.

3 April
2011

Frankreich schaut mit neuem Interesse nach Deutschland

3.4.2011
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Frankreich partnerland(c)dpa

Deutsche Qualität hat in der Krise nicht nur die Franzosen inspiriert. Bei der diesjährigen Hannover Messe schaut das Partnerland mit frischem Interesse über den Rhein - Deutschland hat Vorbildcharakter. Doch kulturelle Hürden bereiten beim Handel nach wie vor Probleme.

„Deutsche Qualität“ - in der französischen Automobilwerbung wird der Begriff nicht einmal mehr übersetzt. Es sei nicht nötig Deutsch zu lernen, um die technischen Vorzüge der Produkte von der anderen Rheinseite zu verstehen, wird französischen TV-Zuschauern suggeriert. Das diesjährige Partnerland der Hannover Messe, die am Sonntagabend eröffnet wird, erlebt zur Zeit eine Art Deutschland-Boom. Der wirtschaftliche Musterschüler hat die Krise gut gemeistert und damit Vorbild-Charakter, befand sogar Präsident Nicolas Sarkozy.

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25 März
2011

Volker Schlöndorff erhält den Deutsch-Französischen Medienpreis 2011

25.03.2011
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Volker Schlöndorff (c) dpa/pa

Der Geschäftsführer des Deutsch-Französischen Journalistenpreises und stellvertretende SR-Intendant Dr. Hans-Günther Brüske würdigt die großen und nachhaltigen Verdienste des Regisseurs um die deutsch-französische Verständigung: "Volker Schlöndorff ist ein Vermittler auf mehreren Ebenen: zwischen Kulturen, zwischen Völkern, zwischen Kunstformen und nicht zuletzt zwischen Generationen, auch durch seine Lehrtätigkeit. Sein Name und Schaffen sind in Frankreich und Deutschland gleichermaßen bekannt und anerkannt."

Der international renommierte Filmemacher hat sowohl in Deutschland als auch in Frankreich gelebt und durch sein Wirken das Deutschlandbild in Frankreich über Jahrzehnte und nachhaltig mitgeprägt. Seine cineastische Karriere begann er in Paris als Assistent von Alain Resnais, Jean-Pierre Melville und Louis Malle. Als Regisseur machte er sich vor allem durch die Verfilmung von Werken der Weltliteratur einen Namen: unter anderem "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (Böll), "Der Fangschuss" (Yourcenar), "Die Blechtrommel" (Grass), "Eine Liebe von Swann" (Proust), "Homo Faber" (Frisch), "Tod eines Handlungsreisenden" (Miller), die er in eine ganz eigene Bildsprache umsetzte. Für "Die Blechtrommel" erhielt Schlöndorff 1979 den Oscar und die Goldene Palme in Cannes.

23 März
2011

Eurocopter baut Fabrik in Mexiko

23.03.2011
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Eurocopter Hubschrauber (c)dpa

Das Unternehmen Eurocopter will in Mexiko Bauteile für Hubschrauber und Flugzeuge herstellen.

Wie das deutsch-französisch-spanische Unternehmen am Donnerstag mitteilte, sollen zunächst 100 Millionen Dollar (58 Millionen Euro) in das neue Werk in Querétaro rund 200 Kilometer nördlich von Mexiko-Stadt investiert werden.

20 März
2011

Kantonalwahlen in Frankreich am 20. und 27. März

20.03.2011
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Das Symbol der Kantonalwahlen(c)französische botschaft

Am 20. und 27. März 2011 finden in Frankreich Kantonalwahlen statt. Dabei werden die Vertretungen der Departements, die conseils généraux, jeweils zur Hälfte erneuert. In 2 023 Kantonen, den Wahlkreisen der Departements, bestimmen die Wähler in zwei Wahlgängen jeweils ein Mitglied dieser Departementräte. In der Hauptstadt Paris findet keine Wahl statt, da der Conseil de Paris die Aufgaben des Departementrats und des Stadtrats miteinander vereint.

16 März
2011

Französischer Künstler installiert strahlenden Kubus in Leipzig

16.03.2011
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Künstler Philippe Morvan beim Aufbau des Lichtkubus (c)Leipzig Tourismus und Marketing GmbH

Ein leuchtender Kubus ist ab heute auf dem Leipziger Augustusplatz zu sehen: Vom 16. bis 20. März 2011 zeigt der französische Künstler Philippe Morvan auf Einladung der Leipzig Tourismus und Marketing (LTM) GmbH seine strahlende Installation "8m3". Der Lichtkubus mit einer Größe von zwei mal zwei Meter und vier Meter Höhe ist aus 84 buch ähnlichen, leuchtenden Quadern gestaltet, auf denen Texte in verschiedenen Typografien aufgebracht sind. Mit der Installation macht die Stadt sowohl auf die deutsch-französische Beziehung - die Städtepartnerschaft Leipzig-Lyon feiert in diesem Jahr 30. Jubiläum - als auch auf die Leipziger Buchmesse vom 17. bis 20. März 2011 aufmerksam.

14 März
2011

Neuer französischer Botschafter Maurice Gourdault-Montagne überreicht Beglaubigungsschreiben an Bundespräsident Christian Wulff

14.03.2011

Botschafter Maurice Gourdault-Montagne (c) MAE {JPEG} Der neue französische Botschafter in Deutschland Maurice Gourdault-Montagne hat am 14.3.2011 im Bundespräsidialamt sein Beglaubigungsschreiben an Bundespräsident Christian Wulff überreicht.

Maurice Gourdault-Montagne, der die Nachfolge von Botschafter Bernard de Montferrand antritt, war bisher der Botschafter Frankreichs in London. Der Deutsch sprechende Diplomat war schon zwischen 1988 und 1991 als Botschaftsrat an der damaligen Vertretung Frankreichs in Bonn tätig.

14 März
2011

Stéphane Hessel im Gespräch auf 3Sat

(14.03.2011)
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hessel (c) wikipedia

Am 14. März fand ein Gespräch mit Stéphane Hessel, einem berühmten französischen Diplomat und Lyriker, auf dem Fernsehsender 3Sat statt. Hessel wurde in Berlin geboren und zog mit sieben Jahren zusammen mit der Familie nach Frankreich. Im Mai 1941 hatte sich Stéphane Hessel der französischen Rèsistance angeschlossen, wurde dann im Juli 1944 von der Gestapo in Frankreich verhaftet, gefoltert und in das Konzentrationslager Buchenwald verschickt.

Stéphane Hessel ist der Sohn des deutschen Schriftstellers und Übersetzers Franz Hessel (1880-1941) und der Malerin Helen Grund. Der Schriftsteller Franz Hessel wurde mit Werken wie „Pariser Romanze" und "Spazieren in Berlin" bekannt. Da er mit seinen zahlreichen Übersetzungen aus dem Französischen zum Mittler zwischen der deutschen und der französischen Kultur wurde, wurde nach ihm ein deutsch-französischer Literaturpreis benannt. Der Preis ist das Zeichen des gegenseitigen Verständnisses der beiden Kulturen und hat zum Ziel, den gemeinsamen deutsch-französischen Kulturraum in Europa zu stärken und zu festigen. Er soll den Literaturdialog zwischen Deutschland und Frankreich vertiefen und zeitgenössische Autorinnen und Autoren, die im Nachbarland noch nicht bekannt sind, fördern.

Im Jahr 1946 wurde Hessel Büroleiter des Vize-UN-Generalsekretärs Henri-Laugier und zwei Jahre später Sekretär der neu errichteten UN-Menschenrechtskommission. Vor allem beschäftigte er sich mit den Themen Entwicklung, Demokratie und Menschenrechte , für die er bis heute kämpft. Der französische Staat hat ihm den Titel „Ambassadeur de France“ verliehen. Im Jahr 2008 erhielt er auch einen Preis von UNESCO (Bilbao Prize for the Promotion of a Culture of Human Rights).
Im Gespräch erzählt er über sein Leben und erklärt, was ihn veranlasste sein im vergangenen Jahr erschienenes Büchlein „Empört euch!“ zu schreiben, in dem er eine Wiederbelebung der Werte der Résistance fordert und bestimmte politische Entwicklungen der Gegenwart, wie den wachsenden Einfluss der Finanzwirtschaft, den Umgang mit Minderheiten und illegalen Einwanderern und den nach wie vor ungelösten Konflikt im Nahen Osten anprangert. Das kleine Werk, das offenbar den Nerv der Zeit trifft, wurde inzwischen in mehrere Sprachen übersetzt und ist millionenfach verkauft worden.