Deutsch-französisches Geschichtsbuch - 5. Deutsch-französischer Ministerrat (26. April 2005)

1. Sachstand

Ab dem Schuljahr 2006/2007 werden deutsche und französische Oberschüler Geschichte aus denselben Büchern lernen und sich in Deutschland auf ihr Abitur bzw. in Frankreich auf ihr Baccalauréat vorbereiten können. Das gemeinsame Geschichtsbuch wird mit gleichem Inhalt in je einer sprachlich identischen deutschen und französischen Fassung erstellt. Beide Fassungen werden gemeinsam durch den Ernst Klett Verlag, Stuttgart und den Verlag Nathan, Paris zur Nutzung als reguläres, klassisches Lehrbuch in Deutschland in gleicher Weise wie in Frankreich für die jeweils letzten drei Klassenstufen angeboten.

Der Inhalt orientiert sich dabei sowohl an den Lehrplänen der 16 Bundesländer als auch am französischen Lehrplan. Die Länder messen dem Projekt eine hohe politische Bedeutung bei und werden bei der Genehmigung des Buches großzügig verfahren.

Federführend innerhalb der Bundesregierung ist das Auswärtige Amt, in Frankreich das Ministerium für Bildung, Hochschulwesen und Forschung. Auf Seiten der Länder ist der Bevollmächtigte der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit, Ministerpräsident Müller, federführend. Im Rahmen ihres Treffens mit den 16 Kultusministern der Länder am 10. März 2005 in Berlin stellten Erziehungsminister Fillon und der Bevollmächtigte das Projekt zusammen mit dem Auswärtigen Amt und den beiden Verlagen erstmals der Öffentlichkeit vor.

2. Perspektiven und konkrete Initiativen

Dieses politisch, kulturell und didaktisch einzigartige Projekt wurde anlässlich des 40. Jahrestags des Elysée-Vertrags 2003 vom Deutsch-Französischen Jugendparlament Bundeskanzler Schröder und Staatspräsident Chirac vorgetragen. Beide Regierungen haben daraufhin eine bilaterale Arbeitsgruppe mit der inhaltlichen Arbeit beauftragt. Sie besteht aus Vertretern der zuständigen Ministerien und Behörden, Vertretern der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder sowie Historikern beider Seiten und tagt abwechselnd in Deutschland und Frankreich.

Es handelt sich um ein Projekt von außerordentlicher symbolischer und politischer Bedeutung, das kommende Schülergenerationen dazu anregt, Geschichte mit anderen Augen zu sehen: Junge Deutsche und junge Franzosen werden aus dem gleichen Buch die Geschichte ihres Landes sowie die europäische Geschichte lernen. Das Buch wird einen Beitrag dazu leisten, eine gemeinsame, bisher stark von den eigenen Traditionen geprägte Wahrnehmung der Vergangenheit zu fördern und die Erinnerung daran im Blick auf ein zusammenwachsendes Europa zu vergleichen. Es wird eine fundierte, kritische Auseinandersetzung anstossen und einen Wechsel der Perspektiven erleichtern.

3. Weitere Umsetzung

Der erste Band ist für die Abiturklasse gedacht und wird sich mit der neuesten Geschichte ab 1945 befassen. Er erscheint im Frühjahr 2006.

Ihm folgen die zwei weiteren Bände, die sich mit den Zeiträumen von der Antike bis zur Romantik und vom 19. Jahrhundert bis 1945 befassen. Im Schuljahr 2008/2009 sollen dann die kompletten drei Bände für die gymnasiale Oberstufe in Deutschland bzw. für die Sekundarstufe II in Frankreich (Klassen seconde, première und terminale) vorliegen.

  • Bevollmächtigter für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit
  • französisches Ministerium für Bildung, Hochschulwesen und Forschung
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