60. Filmfestspiele in Cannes - das deutschsprachige Kino ist zurück (16.-27. Mai 2007)

 Dieses Jahr ist das deutschsprachige Kino bei den Filmfestspielen im französischen Cannes, die nunmehr zum 60. Mal stattfinden, gut vertreten.

Zwei Jahre nach Wim Wenders "Don’t come knocking" ist der junge deutsch-türkische Regisseur Fatih Akin mit seinem Film "Auf der anderen Seite" im offiziellen Wettbewerb mit von der Partie. Der 33-jährige Akin, schon in 2004 mit dem goldenen Bären der Berlinale und dem europäischen Filmpreis für "Gegen die Wand" prämiert, war bereits im letzten Jahr auf der Croisette zugegen, damals allerdings als Mitglied der Jury. Die Nominierung für den Wettbewerb um die goldene Palme habe eine "riesige Freude" in ihm ausgelöst. Der Film "Auf der anderen Seite", zu dem der Hamburger Regisseur selbst das Drehbuch verfasste, erzählt von sechs Menschen, die das Schicksal unausweichlich zusammenführt. Unter den Darstellern finden sich bekannte Gesichter wie die einstige Muse Rainer Werner Fassbenders, Hannah Schygulla, und Patricia Ziolkovka ("Solino"). Auch die Drehorte lassen die Feder Akins erkennen: Hamburg, Bremen, Lübeck, aber auch Istanbul und das Schwarze Meer dienen als Kulisse.

- "Auf der anderen Seite" von Fatih Akin

Im offiziellen Wettbewerb in Cannes treten unter den wachsamen Augen der Jury 22 Filme gegeneinander an. Neben Akin sind auch der österreichische Regisseur Ulrich Seidl mit seinem Film "Import-Export" und eine deutsch-französisch-ungarische Koproduktion von Bela Tarr, "The Man from London", vertreten. Die Sektion "Un certain regard" präsentiert außerdem als Weltprämiere den zweiten Film Robert Thalheims, "Am Ende kommen Touristen". Der Berliner Regisseur von "Netto" erzählt die Geschichte eines jungen Deutschen, der seinen Zivildienst im ehemaligen Konzentrationslager Ausschwitz ableistet. In der Kategorie "Cinéfondation" ist der Berliner Filmstudent Nicolas Wackelbarth mit seinem Kurzfilm "Habe Stunde" dabei. Schließlich präsentiert Volker Schlöndorff sein neuestes Werk, "Ulzhan", eine deutsch-französisch-ksachische Koproduktion, die zum Teil in Kazachstan selbst gedreht wurde.

Der Präsident der Filmfestspiele, Gilles Jacob, begrüßte in einem Interview mit der deutschen Presseagentur dpa die Entwicklung des deutschen Kinos, das nach mehrjähriger Abwesenheit in Cannes wieder positiv in Erscheinung tritt. "Das deutsche Kino war sehr erfolgreich in den 1970er und 1980er Jahren. Es gab an die zehn große Regisseure, von denen einige in Cannes ausgezechnet wurden, wie etwa Wim Wenders oder Volker Schlöndorff", erinnert er sich. Allerdings hat der Erfolg sowohl Vor- als auch Nachteile. "Einer erfolgreichen Epoche folgt oft eine Phase des Abstiegs", so Jacob. Glücklicherweise gäbe es jedoch heute eine Reihe neuer talentierter Filmemacher. Seit einigen Jahren seien Filme wie "Good Bye, Lenin!" (von Wolfgang Becker) oder "Das Leben der Anderen" (von Florian Henckel von Donnersmarck) wahre "Publikumserfolge, die durchaus auch in Cannes hätten ausgewählt werden können," meint Jacob. "Wir haben dieses Jahr einige deutschsprachige Filme und hoffen, dass wir unsere Verspätung aufholen können."


 
Quelle: CIDAL - Deutsche Botschaft Paris

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