Deutsch-französische Zusammenarbeit

Verleihung des Karlspreises an Bundeskanzlerin Angela Merkel (Aachen, 1. Mai 2008)

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist im Krönungssaal des Aachener Rathauses mit dem Internationalen Karlspreis ausgezeichnet worden. Der Preis würdigt ihre ganz persönlichen Leistungen und ihre kluge Diplomatie, der Europa seinen Reformvertrag verdankt. Mit dem Vertrag ist die EU wieder handlungsfähig geworden.
Viele Ehrengäste waren dabei, unter ihnen die früheren Karlspreisträger Walter Scheel und Roman Herzog. Aber auch viele internationale Gäste reisten extra dafür nach Aachen: So EU-Kommissionsvorsitzender José Manuel Barroso und der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, um nur zwei von ihnen zu nennen.

In ihrer Dankesrede erinnerte die Kanzlerin an die gemeinsamen Wurzeln der Europäischen Union. "Nach Jahrhunderten gewalttätiger Auseinandersetzungen haben wir das kaum Denkbare geschafft - ein friedliches und freundschaftliches Miteinander in Europa." Dies sei auch für andere Regionen der Welt ein Modell. Sie erinnerte an die gemeinsamen Werte aller Europäer. Hier stehe jeder einzelne Mensch im Mittelpunkt, seine Würde sei unantastbar.

Die Laudatio auf die Bundeskanzlerin hielt der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Er würdigte den unermüdlichen Einsatz Merkels für den Einigungsprozess in der Europäischen Union. Die Autorität, die Geschlossenheit und das europäische Engagement Merkels hätten den Reformvertrag von Lissabon erst möglich gemacht, sagte Sarkozy.

Sarkozy sprach sich für die Verstärkung des europäischen Einigungsprozesses aus, der alle Europäer mitnehmen müsse. Er sei glücklich, dass er dabei "Hand in Hand" mit Merkel gehen könne. Frankreich übernimmt am 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft. Der französische Präsident würdigte auch die Besonderheit der deutsch-französischen Freundschaft. "Unsere Großväter haben sich noch gegenseitig umgebracht. Jetzt sind Deutschland und Frankreich für immer Freunde geworden."

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Der Karlspreis


Der Internationale Karlspreis zu Aachen wird seit 1950 verliehen. Als Grenzstadt erlebte Aachen die Schrecken des Zweiten Weltkrieges wie wenige andere Orte in Deutschland. 1949 zeichnete sich der Kalte Krieg ab. In dieser Situation stiftete der Aachener Bürger Kurt Pfeiffer den Karlspreis: Als Anreiz, bei der friedlichen Gestaltung der europäischen Zukunft mitzuwirken. Bundeskanzler Konrad Adenauer wurde 1954 der Karlspreis überreicht. Der letzte deutsche Preisträger war 1997 der damalige Bundespräsident Roman Herzog. Im vergangenen Jahr erhielt ihn EU-Chefdiplomat Javier Solana.

Ehrung für kluge Diplomatie

Ungewöhnlich rasch hatte sich das Karlspreisdirektorium im vergangenen November auf die Bundeskanzlerin geeinigt. In der Begründung heißt es: Sie erhalte den Preis "in Würdigung ihres herausragenden Beitrags zur Überwindung der Krise der EU und in Anerkennung richtungweisender Entscheidungen zum Fortschreiten des europäischen Einigungsprozesses".

Die Jury in Aachen erinnerte an die sehr persönlichen Worte, die Merkel im Januar 2007 vor dem Europäischen Parlament in Straßburg fand: "In der Europäischen Union bin ich noch eine Jugendliche, denn aufgewachsen bin ich in der ehemaligen DDR. Ich kenne die Europäische Union bis zu meinem 35. Lebensjahr also nur von außen, und ich kenne sie seit 1990 von innen." Die EU sei für sie eine "historische Erfolgsgeschichte ohne Beispiel", ein "wunderbares Haus", aus dem sie "nie wieder ausziehen" wolle, bekannte Merkel damals.

So waren es auch die persönlichen Eigenschaften Merkels, die die Entscheidung für die Preisvergabe beeinflussten. Man ehre sie für ihre integrierende und menschliche, zugleich bestimmende und zielorientierte Verhandlungsführung. Auch ihre "kluge Diplomatie und ihr engagiertes Auftreten für die Vertiefung der europäischen Integration" waren für die Entscheidung ausschlaggebend. Merkel sei eindeutig, klar und zielstrebig, besitze großes Verhandlungsgeschick und zeige menschliche Wärme. "Das ist in der Tat eine neue Form des Auftretens", heißt es in der Begründung weiter.

Im vergangenen Jahr hatte Deutschland die Ratspräsidentschaft in der EU inne. Der damaligen europäischen Ratspräsidentin Angela Merkel gelang der Durchbruch nach zwei Jahren schwelender Verfassungskrise. Insbesondere die Suche nach einem Kompromiss mit Polen gestaltete sich sehr schwierig. Aber auch Großbritannien hatte erhebliche Bedenken und gab diese dann doch für die europäische Idee auf.

(Quelle: www.bundesregierung.de) Druckversion

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