
- Französische Finanzministerin Lagarde bei Sitzung des Bundeskabinetts (Berlin, 31.03.2010) - Foto: © REGIERUNGonline/Bergmann
Die französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde tritt im Interview mit der F.A.Z. für eine Verschärfung der Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts ein und sieht die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank nicht beeinträchtigt.
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FAZ: Früher gaben die Märkte den Euro-Mitgliedern fast die gleichen Finanzierungsbedingungen. Jetzt differenzieren sie zwischen Ländern, was ökonomisch richtig ist. Das soll eine Katastrophe sein?
Christine Lagarde: Das Interbanken-System weltweit geriet unter Spannungen. Alle Finanzminister und Notenbank-Gouverneure der G7-Staaten waren beunruhigt. Das war keine Panik, sondern kollektive Entschlossenheit. Besonders bemerkenswert war dabei die deutsch-französische Zusammenarbeit. Ich weiß, bei Ihnen sagt man jetzt häufig, die Franzosen hätten sich durchgesetzt. Bei uns sagen einige, die Deutschen hätten sich durchgesetzt. Doch hier war ein echtes deutsch-französisches Duo am Werk.
FAZ: Ihr Präsident sagte, dass sich die französischen Vorschläge zu 95 Prozent im Ergebnis niedergeschlagen hätten.
Christine Lagarde: Es gab weder einzelne Gewinner noch Verlierer. Eine starke und stabile Währung ist das Ergebnis der Einhaltung von Haushaltsdisziplin und einer starken Wettbewerbsfähigkeit. Alle jene, die das vergessen hatten, kündigen jetzt ernste Haushaltsmaßnahmen an. Ich verstehe die Ängste und kenne die Bedenken der Deutschen, aber diese Krise hat zumindest gezeigt, was hätte passieren können, wenn wir nicht kollektiv gehandelt hätten. Ich denke, dass sich die Deutschen über dieses neue Bewusstsein nur freuen können. Es ist endlich an der Zeit, damit aufzuhören, von Gewinnern und Verlieren zu sprechen, wenn wir von Europa reden.
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